Gedanken zum Donauausbau

Dass die Donau ausgebaut werden muss, steht für alle außer Zweifel, denn selbst die Ausbaugegner sind für eine Verbesserung der Abladetiefe.

Zur Diskussion steht, wie ausgebaut werden soll.

Ich bin der Meinung, aus ökologischen und Umweltgesichtspunkten kann nur eine staugestützte Variante die Lösung sein.

Drei niedrige Stufen, die nur an ca. 250 Tagen geschlossen sein müssten, würden ausreichen. Ich denke da an eine Stufe in Waltendorf, Donau-km 2302, eine in Winzer-Osterau, Donau-km 2273 und eine in Hofkirchen, Donau-km 2258.

Die an der Donau zwischen Straubing und Vilshofen angedachte Staustützung hätte keinerlei Ähnlichkeit mit den bisher gebauten Stufen oberhalb oder unterhalb, oder an anderen Flüssen. Der Stau würde im Mittelwasserbett bleiben, Staudämme im klassischen Sinn wären nicht erforderlich und der Fließcharakter des Gewässers bliebe erhalten.

Wenn die Wasserkraftnutzung nicht Ausbauziel ist, ist auch ein maximaler Ausbau nicht erforderlich. Dann würden zwischen den Stufen freie Fließstrecken verbleiben und die Reduzierung der Fließgeschwindigkeit durch den Aufstau, der gravierendste Kritikpunkt der Stauregelung, bliebe erträglich.

Durch Umleitungsgerinne an der Stufenstelle oder durch eine Verlängerung können Ersatzfliessgeringe geschaffen werden, die Lebensraum für die entsprechenden Fischarten  bieten. Eine vielfältige Gestaltung sollte Hauptkriterium für die Qualität des Gewässers sein.

Als weitere Folge geringer Stauhöhen könnten die Vorländer voll erhalten werden. Durch die höheren Grundwasserstände könnten sie aktiviert werden, Auwaldstandorte entstehen. Durch Verdrängung der landwirtschaftlichen Nutzung aus den Vorländern können sich wertvolle naturnahe Bereiche neu bilden. Da die Wasserspiegelschwankungen selbst an der Stufenstelle groß bleiben, ist auch in den Vorländern weiterhin eine hohe natürliche Dynamik gegeben.

Die Rückdrängung der landwirtschaftlichen und sonstigen Nutzung sollte bis zu einer Rückverlegung von Hochwasserlinien gehen.

Besonderer Augenmerk muss heute auf die Erhaltung, Reaktivierung und Erweiterung von vorhandenen Still- und Altwässern gelegt werden. Nur durch Staumaßnahmen, die eine planmäßige Anhebung von Oberflächen- und Grundwasserspiegeln zulassen, wird es möglich, solche Gewässer untereinander und mit neugeschaffenen zu verbinden und zu einem durchflossenen System zu vernetzen.

Wenn künftig hinter den Böschungen und Ufern keine Nutzung mehr stattfindet, können durch natürliche Ufer- und Flächenentwicklungen immer wieder wertvolle Standorte für Flora und Fauna entstehen.

Die Landwirtschaft würde von Nutzungsbeschränkungen betroffen werden, da für Ersatz- sowie Ausgleichsmaßnahmen massive Flächeneinbußen hingenommen werden müssten. Vorländer, die heute intensiv genutzt sind, müssten wieder dem Fluss zugeschlagen werden.

Der Verkehrsweg Wasserstraße müsste auch Kompromisse hinnehmen, und zwar hinsichtlich der Linienführung und Breite der Fahrrinne. Die Schifffahrt müsste Beschränkungen bei der Begegnung und teilweise eine reduzierte Fahrgeschwindigkeit akzeptieren.

Die Abladetiefe könnte dann jedoch ganzjährig gewährleistet werden.

Die Bevölkerung müsste Nutzungsbeschränkungen hinsichtlich Freizeit und Erholung am Fluss akzeptieren. Die Zugänglichkeit der Vorländer und flussnahen Bereiche muss auf ein vertretbares Maß beschränkt werden. Es darf nicht sein, dass wertvolle Ersatzflächen, die mit viel Aufwand gestaltet wurden, von jedermann begangen und gestört werden.

Die Wasserkraftnutzung sollte beschränkt werden. Nur noch ein Teil des Gesamtpotentials sollte zur Energiegewinnung herangezogen werden. Umleitungs- und Ersatzgerinne, die den Zulauf zum Kraftwerk schmälern, müssten hingenommen werden. Die Wasserkraftgewinnung sollte überhaupt nicht mehr Planungsziel sein, sondern es könnten äußerstenfalls Fallhöhen und Abflüsse genutzt werden.

Es gibt viele Möglichkeiten, Stauanlagen ökologisch und umweltverträglich zu gestalten. Das wären dann keine Staustufen mehr im herkömmlichen Sinn, sondern Flussbau, der staugestützt ist.  

Durch Stauunterstützung können Oberflächen- und Grundwasserstände wieder angehoben werden. Und zwangsläufig wird damit die Nutzung zurückgedrängt und die ungenutzten, naturnahen Flächen werden vergrößert. Flora und Fauna erhalten mehr Raum.

Es muss versucht werden, durch mehr Öffentlichkeitsarbeit die Bevölkerung wieder vorurteilslos und ideologiefrei an wasserbauliche Probleme heranzuführen. Die Bürger müssten in die Planung einbezogen werden, so wie es bei der Staustufe Wien-Freudenau praktiziert wurde.

Binnenschifffahrt, umweltfreundlichster Verkehrsträger, kann nur dann wirtschaftlich betrieben werden, wenn eine ganzjährige Abladung von mindestens 2.50 m garantiert ist, was aber durch flussbauliche Maßnahmen nicht erreicht werden kann.

Ich habe mit meinem MS "JENNY" seit 1993 ca. 100 Reisen auf der Donau gemacht, viele Erfahrungen gesammelt und glaube deshalb, kompetent genug zu sein, mich zu den Problemen des Donauausbaues zu äußern und Vorschläge zu machen.

Albrecht Scheubner, MS "JENNY"

Übersicht